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Festen Boden unter den Füssen

17. Mai 2026

Einen weiten Bogen von mancherorts «hausgemachtem» Fachkräftemangel über moderne Mitarbeiter-Werbung durch Social Media bis hin zu Humanoider Robotik schlug die diesjährige General-Versammlung des Schweizerischen Verbands für Temperaturgeführte Logistik SVTL Anfang Mai auf Schloss Lenzburg.

Foto: M.Nobel


In historischem Ambiente durften sich die 55 Teilnehmenden zu Recht ein wenig «ritterlich» fühlen, aber auch teils schwierige Themen bis hin zu «toxischem Management» und «dunklen Triaden» wälzen, die aussehen, als kämen sie von Darth Vader aus dem «Krieg der Sterne» persönlich: «Dreiklänge» aus negativen Verhaltensweisen, die in manch Chefetagen die Arbeit erschweren.

Davon unberührt hat der Verband, der seinerseits auf soliden Beinen steht, aktuell sogar noch Spielraum, um 2027 in Bereiche vorzustossen, die zur Fortbildung gehören. So waren auch Gastreferenten, die sich mit «Human Resources», modernen Ansätzen des Personal-Managements, der Werbung um Nachwuchs- wie auch dem Recruiting von Führungskräften befassten, im Rittersaal gut aufgehoben. Samt der Frage, ob immer mehr Automatisierung und Robotisierung bis hin zu menschenähnlichen Helfern in der Logistik wirklich Sinn machen.

Chr. Pauli, M.Manzetti. Foto: M.Nobel

Vor 55 Anwesenden hatten Marco Manzetti, dessen 30jährige Präsidentschaft mit einem kleinen Präsent belohnt wurde, und Geschäftsführer Christian Pauli Gelegenheit ein ereignisreiches Jahr 2025 zu rekapitulieren. Angesichts der stabilen Finanzlage hatte Pauli sogar eine Bilanz in Versform für die Teilnehmenden parat.

Erfolgreiches Geschäftsjahr

Der Verband steht mit einem sechsstelligen Betriebsaufwand, sogar einem kleinen Plus und interessanten Events mit beiden Beinen im Branchengeschehen. Technisch sei man «immer eine Nasenspitze voraus», so Manzetti. Demnächst soll als Mehrwert für die Mitglieder noch ein Förderungs- bzw. Bildungsangebot hinzukommen, das 2027 mit einem zweitägigen Seminar starten werde.

Markus Nobel Vorstand 310 Podium mit P.Herzog, M.Wehner, K.Koch, M.Hausamman (v.l.n.r.). Foto: Frutig

Die Lagerplätze im Frische- und Tiefkühlbereich sind aktuell stark ausgelastet. Auch Anfragen aus dem Ausland, etwa Österreich, trudeln ein. Pauli: «Wir leiten das immer an unsere Mitglieder weiter». Aber zurzeit sei vor allem im TK-Bereich «fast kein Platz mehr zu finden».

Fast kein Platz mehr frei

So, wie in der gesamten Branche drückt im Temperaturgeführten Segment gegenwärtig der Fachkräftemangel auch auf Kader-Ebene. Patricia Herzog, Unternehmensberaterin im Personal-Management und Buchautorin, steuerte die These bei, dass mit etwa 70 % doch ein sehr hoher Anteil des Mitarbeiter-Engagements in Unternehmen jeglicher Art von den jeweiligen «Chefs» abhänge. «Die Leute bleiben nicht wegen des Geldes in einem Unternehmen, sondern dann, wenn sie sich auch emotional gut aufgehoben fühlen», so Herzog.

SVTL Humanoide Fraunhofer evobot 310 Kollege Robot. Foto: IML

Der «weiche Faktor» führt etwas zugespitzt auch zu den Ursachen, warum so manchem Unternehmen trotz angestrengter Suche die Leute «davonlaufen»: Selbstverliebtheit, Machtansprüche und eine gewisse Psychopathie (Herzog: «natürlich unterhalb des klinischen Niveaus...») seien in jeweils unterschiedlichem Ausmass dafür verantwortlich, dass es in manchen Betrieben eben «einfach nicht auszuhalten» sei.

Die richtigen Kanäle

Narzissmus, Macchiavellismus und Psychopathie verdichteten sich bisweilen zu einer «dunklen Triade». Zu Situationen, in denen man mit Mitarbeitergesprächen, ein wenig Erfahrung und Einfühlungsvermögen Probleme aber auch ausräumen könne. Wobei es auch schon Fälle gegeben habe, in denen der oder die Betreffende «im Grunde einfach lieber Florist/in (Hauptsache «gegendert») worden wäre», im Hintergrund jedoch der Wunsch nach irgendeiner «Karriere» gestanden habe.

SVTL GV Lenzburg Frutig lowres Foto: Frutig/Inoveris

Für junge Lernende sah Mara Hausamman, Employer Branding Spezialistin, in Form der «Sozialen Medien» moderne Möglichkeiten, für die Logistik zu werben.Wichtig sei es, die richtigen Kanäle zu wählen, und die jungen Auszubildenden auch selbst in Beiträgen zu Wort kommen zu lassen, um auf Ebene der Gleichaltrigen für ein «cooles Berufsbild» zu werben.

Angesichts zahlreicher Möglichkeiten, mit dem Menschen «an sich» auch mal auf dem «falschen Dampfer» zu sein, könnte womöglich sogar der Gedanke naheliegen, dass es hier ein neues Potenzial für KI-gesteuerte Robots geben könnte, denen ohne Diskussion körperlich schwere Arbeit zugemutet werden könne.

Noch viel zu tun

Manuel Wehner vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund präsentierte abseits schon länger vorhandener Lagertechnik a la «AutoStore» ein Luftfracht-Szenario, bei dem Segway-ähnliche Robots mit Greifarm am Flughafen wertvolle Arbeit beim Beladen von Flugzeugen leisten.

SVTL GV2026 Lenzburg schlossview lowres Foto: IML (KI-generiert)

«Aber die Geräte müssen nicht zwingend wie ein Mensch, ein Hund oder eine Ameise aussehen, um ihren Job zu erledigen». Besonders gern zeigt er ein Foto, das – ein wenig KI-unterfüttert - unzählige Schäden an demolierten Jets belegen soll, die von automatisierten Fahrzeugen bei Verladearbeiten auf dem Vorfeld in Höhe von etwa 1,6 Mrd. Euro Jahr für Jahr allein in Europa bereits dann angerichtet werden, wenn noch gar nicht so viel robotisiert ist.

Schwer zu handhaben

Und jeder, der schon mal einen Luftfracht-Container aus Südostasien geöffnet habe, kenne die Flut von Gegenständen, die von Styropor über Holz, Dämm-Material und Kunststoffen in dem Moment aus den Behältern quellen, in dem diese entriegelt werden. Das sei schwer zu handhaben und zu kontrollieren. Wehner: «Da haben wir noch eine Menge Forschungsarbeit zu leisten!».

SVTL GV2026 Lenzburg M Wehner demolition lowres Foto:klk.

SVTL-Präsident Marco Manzetti verweist darauf, dass es die «Automatisierung in der Logistik» schon lange gibt. Neue Ansätze müssten aber auch sinnvoll im Grossen und Ganzen zusammenwirken. Serge Frech, Geschäftsführer des Ausbildungsverbandes Swiss Logistics by ASFL SVBL glaubt nicht, dass junge Leute den Spass, das Interesse an der Logistik und sogar ihren Arbeitsplatz an humanoide Roboter verlieren könnten.

Technologie ist kein Ersatz

Der Mensch sei anpassungsfähig, und die Gesellschaft von einer gut funktionierenden Logistik abhängig. Für den Ausbildungsverband sei wichtig, dass die Lernenden nicht nur Wissen und Fähigkeiten erlernen, sondern handlungskompetent sind und mit der Technik umgehen können.

Serge Frech: «Die Technologie soll kein Ersatz, sondern Hilfsmittel für den Menschen sein».

www.svtl.ch








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